Selbstsicherer dank Training

Ein Einblick in den Trainingsalltag von Menschen mit einer chronischen Lungen- und Atemwegserkrankung zeigt die positiven Auswirkungen von Bewegung auf ihr Leben.

Die Teilnehmenden der ambulanten pulmo­na­len Reha­bilitation (APR) im medizinischen Trainingszentrum (MTT) des Kantonsspitals St. Gallen stellen sich im Kreis auf. Wie jedes Training fängt auch dieses mit spielerischem Aufwärmen und Atemü­bungen an.

 

Ein Physiotherapeut zeigt diese vor. Seine positive Ausstrahlung verbreitet eine gute Stimmung und spornt die Teilnehmenden an, mit ihrem individuellen Training zu beginnen. Im Trainingsraum stehen Geräte und Laufbänder – wie in einem gewöhnlichen Fitnesscenter – nur, dass weisse Sauerstoffflaschen bereitstehen. Einige Patientinnen und Patienten benötigten Sauerstoff beim Training, erklärt die Physiotherapeutin Fabienne Boltshauser, die diese Rehabilitation des Lungenzentrums des Kantonsspitals St. Gallen in Zusammenarbeit mit der Lungenliga St. Gallen-Appenzell leitet.

 

 

Realistische Ziele

Die ambulante pulmonale Rehabilitation ist eine Behandlungsform für chronische Lungenkrankheiten und umfasst Ausdauer- und Krafttraining, Atemübungen sowie Instruktionen zum besseren Verständnis der Krankheit und der Therapie. «Das Ziel dieser Rehabilitation ist es, die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern», sagt Fabienne Boltshauser, «es muss jedoch realistisch und dem Schweregrad der Krankheit des jeweiligen Patienten angepasst sein», räumt sie ein. «Das Wichtigste ist, dass die Teilnehmenden lernen, mit der Atemnot umzugehen und so die Angst vor Bewegung zu verlieren.»

 

Grenzen akzeptieren

Die Physiotherapeutin führt für alle Teilnehmenden während des dreimonatigen Rehabilitationsprogramms ein Trainingshandbuch, in dem sie jeden Fortschritt anhand der Sauerstoffsättigung und des Belastungsempfindens notiert. «Das ermöglicht es uns, beim Abschluss der Rehabilitation den Trainingseffekt aufzuzeigen», sagt sie. «Das motiviert, im Anschluss an die Rehabilitation das medizinisch betreute Training im MTT oder anderswo selbstständig fortzuführen.» Das hat sich Urban Hess vorgenommen, der an diesem Freitagvormittag den Schlusstest absolviert hat. Der 61-Jährige konnte zwar seine körperliche Verfassung etwas verbessern, seine frühere Leistungsfähigkeit kann er jedoch nicht mehr erlangen. Er leidet unter einem unheilbaren Lungenemphysem, einer fortschreitenden Veränderung des Lungengewebes. «Das Wichtigste für mich ist, dass ich mit dieser Reha mein Selbstwertgefühl steigern konnte und gelernt habe, meine Grenzen zu akzeptieren», betont er. Der ehemalige Produktionsleiter Metallbau schätzt besonders die kompetenten Therapeuten und den wöchentlichen Besuch des Lungenfacharztes des Kantonsspitals St. Gallen. «Dieser nimmt sich viel Zeit, auf meine Fragen einzugehen.»

 

Lebensstil ändern

«Ein weiterer motivierender Aspekt dieser Behandlungsform ist die Gruppendynamik. Es gibt Teilneh­mende, die nach der Reha gemeinsam weiter trainieren», sagt Fabienne Boltshauser. Für seine Motivation sei die Gruppe nicht ausschlaggebend, sagt Hess. «Das Training, drei Mal in der Woche, gibt mir eine Tagesstruktur. Das ist mir wichtig, damit ich mich nicht abkapsle und nicht psychisch in ein Loch falle.» Zu Beginn musste er sich zu dieser Rehabilitation überwinden: «Ich war eher ein Sportmuffel. Doch einiges hat sich in meinem Leben verändert, ich habe zum Beispiel mit dem Rauchen aufgehört.» Die Bereitschaft, den Lebensstil zu ändern, sei ein entscheidender Punkt für eine erfolgreiche Rehabilitation, bestätigt die Physiotherapeutin. «Neben guten kognitiven Fähigkeiten und Selbstständigkeit ist dies die Voraussetzung für diese Reha. 80 Prozent unserer Teilnehmenden erreichen so auch ihre persönlichen Ziele.»

Die ambulante pulmonale Reha­bilita­tion (APR) ver­bes­sert die Leist­ungs­fähig­keit und die Lebens­qualität

Die APR ist eine evidenz­basierte Behand­lungs­form für chro­nische Lungen- und Atem­wegs­er­kran­kun­gen. Sie ist multi­diszipli­när und umfasst Ausdauer- und Kraft­training sowie Atem­übungen. Zudem bilden Vorträge zu Krankheit, Ernährung, Bewegung im Alltag sowie Atem­not­mana­gement einen festen Bestandteil des Rehabili­tations­programmes.

Zugelassene Zentren, die APR an­bie­ten, sind zu finden unter:

www.lungenliga.ch/pulmonale-rehabilitation

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3007 Bern

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