«Je öfter ich Sport trieb, desto ein­fa­cher wurde es»

Schweres Asthma und Übergewicht machten Sport für den 17-jährigen Frederick Oehl zur Qual. Seit er das Rudern entdeckt hat, ist er jedoch kaum mehr zu bremsen.


Fotos:
Andreas Zimmermann

Streckt Frederick Oehl zur Begrüssung die Hand aus, fällt schnell auf: Sie sieht nicht aus wie diejenige von anderen 17-Jährigen. Beide Hände sind bedeckt mit Hornhaut, übersät mit Schwielen. Von ungefähr kommt dies nicht. Frederick Oehl ist leidenschaftlicher Ruderer, sieben bis acht Mal pro Woche trainiert er während zwei Stunden. Nicht nur an seinen Händen hinterlassen die häufigen Trainingseinheiten Spuren: Unter dem weissen Pullover lassen sich muskulöse Arme und ein ebenso trainierter Oberkörper vermuten. Letztes Jahr wurde Frederick mit dem Seeclub Zürich im Doppelvierer U17-Schweizermeister. So sportlich war er nicht immer.

 

«Es war ein Teufelskreis»

Seit seinem zweiten Lebensjahr leidet Frederick Oehl unter starkem allergischem und belastungsbedingtem Asthma. Trotz einer raschen Diagnose und einer entsprechenden Behandlung hatte er immer wieder mit geschwollenen Augen, Husten und Atemnot zu kämpfen. Der Kontakt mit Tieren sowie jeder noch so kleine herbstliche Wetterumschwung habe ihm auf die Bronchien geschlagen und er musste sehr viel inhalieren. «Dies hat mich stark beeinträchtigt. Und am Schlimmsten war für mich der Schulsport», erzählt er mit leiser Stimme, die nicht so richtig zu dem grossen, muskulösen jungen Mann passen will. Beim amerikanischen Sitzball sei er oft als erster getroffen worden und beim «Fangis» ein leichtes Ziel für seine Mitschülerinnen und Mitschüler gewesen. Der Sportunterricht wurde zu seinem ungeliebten Schulfach, Sport allgemein zur Pein.

 

«Es war ein Teufelskreis», ergänzt Stephan Oehl, der Vater von Frederick. Durch die mangelnde Bewegung habe sein Sohn stetig an Gewicht zugelegt, was wiederum körperliche Aktivitäten erschwerte. Dies sei auch zu einer psychischen Belastung geworden. «Gerade Kinder erfahren Anerkennung durch Gleichaltrige häufig über sportliche Leistung. Da Frederick da nicht mithalten konnte, zog er sich mehr und mehr zurück.»

 

Ein Schnupperkurs veränderte alles

Die Kehrtwende erfolgte 2016, im Alter von 13 Jahren. Die behandelnde Hausärztin, die Frederick Oehls Entwicklung und seine Gewichtszunahme miterlebt hatte, schlug ihm vor, es mit dem Rudern zu probieren. Frederick besuchte daraufhin einen einwöchigen Schnupperkurs im Rudern – und war begeistert: «Rudern ist die optimale Sportart für Asthmatiker.

 

 

Auf dem Wasser ist die Luftfeuchtigkeit ideal, zudem hat es dort weniger Pollen», erzählt Frederick, seine Stimme wird fester, die Augen beginnen zu leuchten. Nach der Testwoche fing er deshalb an, regelmässig zu trainieren. Zunächst nur einmal wöchentlich, doch schon nach kurzer Zeit wechselte er in die Leistungsebene mit vier bis fünf Trainings pro Woche. Neben der Sportart an sich war es auch die Stimmung im Team, die ihm gefiel. «Ich sah meine Ruderkollegen fast jeden Tag, wir waren wie eine grosse Familie. Dies hat auch stark dazu beigetragen, dass mir das Training solchen Spass machte.» Motivierend seien zudem die körperlichen Veränderungen gewesen. «Beim Rudern ist es wichtig, mit dem Oberkörper möglichst weit nach vorne zu greifen, um einen langen, kraftvollen Schlag ausführen zu können», erklärt Frederick und breitet seine langen Arme zur Veranschaulichung aus. «Zu Beginn war mir dies gar nicht möglich; mein Bauch war im Weg.» Nach und nach habe er jedoch gemerkt, wie dieser kleiner wurde. «Nach einigen Monaten probierte ich meine alten Hosen an. Zu sehen, wie weit diese geworden waren, war ein einmaliges Gefühl. Besser als jede Medaille, die ich bisher gewonnen habe.»

Lungenfunktion hat sich stark verbessert

Auch sein Asthma hat der 17-Jährige dank des Ruderns besser im Griff. Zu Beginn habe er sehr viel inhalieren müssen, ab und zu sei er an seine Grenzen gekommen. «Mein erstes Langlauf-Trainingslager war hart. Ich musste immer wieder pausieren, während meine Kollegen weitermachten.

 

Je öfter und je länger ich Sport trieb, desto einfacher wurde es.» Mittlerweile kann Frederick ohne Probleme mit gesunden Sportlern mithalten und benötigt nebst einer Basisinhalation nur noch eine weitere Inhalation vor jeder Regatta. «Und Fredericks Lungenfacharzt ist zuversichtlich, dass er die Inhalation vor den Rennen mittelfristig absetzen kann. Denn seine Lungenfunktion hat sich enorm verbessert», sagt Stephan Oehl. Seit Frederick mit dem Rudern angefangen hat, hatte er keinen Asthma-Anfall mehr. Auf die leichte Schulter nehmen, wird er die Krankheit seines Sohnes dennoch nicht. Er habe einmal mitbekommen, wie ein Kollege von Frederick, dessen Asthma nicht gut kontrolliert war, im Ziel einen Anfall erlitten hatte, erzählt Stephan Oehl. Dies sei beispielhaft für den Umgang vieler Betroffener und Angehöriger mit der Krankheit gewesen. «Ich habe mehrmals erlebt, dass Eltern die Asthma-Erkrankung ihrer Kinder nicht ernst genug nahmen oder gar verdrängten. Das ist schade. Denn wer sein Asthma gut kontrollieren will, braucht eine gut abgestimmte Therapie.»

 

Grosse Ambitionen

Um die Wichtigkeit der richtigen Behandlung aufzuzeigen und um anderen Betroffenen Mut zu machen, erzählt Frederick Oehl gerne seine Geschichte. Der Gymnasialschüler kann sich auch vorstellen, dass seine Erlebnisse die Wahl seines Berufes beeinflussen werden: «Ich könnte mir vorstellen, nach der Matura mit Kindern und Jugendlichen mit Asthma zu arbeiten, um ihnen so einige meiner Erfahrungen zu ersparen.»

 

Auch sportlich hat Frederick grosse Ambitionen: Am 26. Juni finden am Rotsee in Luzern die Schweizer Meisterschaften im Rudern statt. Zudem trainiert er aktuell im Skiff (Einer), weil er den Sprung ins Nationalteam schaffen möchte. «Als Asthmatiker die Schweiz international zu vertreten, wäre für mich ein Traum.»

Asthma: Richtige Be­hand­lung ist essen­ziell

Atemnot, Reizhusten, ein Engegefühl in der Brust: Jedes 10. Kind und jeder 14. Erwach­sene in der Schweiz kennen dies, denn sie leiden an Asthma. Auslöser der chronischen Atem­wegs­erkran­kung sind oft Allergene, zum Beispiel der Kot von Haus­staub­milben, Tierhaare oder Pollen. Weiter können auch un­spezifische Faktoren wie kalte, trockene Luft oder körperliche Anstrengung zu Be­schwer­den führen. Auf solche Reize reagiert die Schleimhaut der Bron­chien bei Asthma-Betroffenen mit einer Entzün­dung, wird dicker und pro­duziert einen zähen Schleim, der in den Bronchien hängen bleibt. Zudem verkrampfen sich die Muskeln um die Bron­chien und verengen die Atem­wege zusätzlich. Asthma kann nicht geheilt, meist jedoch sehr gut behand­elt werden. Wichtig ist dabei, dass Be­troffene bekannte Asthma-Aus­löser meiden und ver­schrie­bene Medika­men­te genau nach Vorschrift einnehmen.

 

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