begegnung

Mit Freude und Gelassen­heit durchs Leben

Die schneebedeckte Landschaft in Gstaad leuchtet in der Sonne. Martin von Grünigen begrüsst uns zusammen mit seiner Frau Annemarie an der Türe seines Wohnhauses. In der behaglichen Stube mit Kachelofen erzählt er über seine Kindheit, sein Leben als Bauer und Familienvater in Gstaad im Berner Oberland.

Text: Andrea Adam
Fotos: Andreas Zimmermann

Vom Mähen und Zetten

„Ich habe noch die Zeiten erlebt, in denen wir in der Berg­land­wirt­schaft alles von Hand verrichte­ten. Das Gras wurde mit der Sense gemäht, Frauen und Kinder zetteten (das gemähte Gras wird zum Trocknen ausgebreitet). Zum Einbringen des Futters kamen auf ebenen Wiesen Ross und Wagen zum Einsatz. Im steilen Gelände mussten wir das Heu mit einem Seil zum Bündeln binden und auf dem Rücken in die Scheunen tragen. Als die Mähmaschi­nen immer effizienter wurden, kamen die Frauen nicht mehr mit Zetten nach“, erzählt Martin von Grünigen und schaut seine Ehefrau Annemarie verschmitzt an.

 

Die Arbeiten waren sehr aufwändig. Jeder Bauer hatte sieben bis acht Kühe, mehr Kühe hätte man damals gar nicht halten und besorgen können. Der Durchbruch fürs Mähen und Dörren kam dann später mit dem Kreisel­mäh­werk, mit dieser Maschine und weiteren neuen Geräten wurde nun einige Handarbeiten nun teilweise auch von Maschinen verrichtet.

 

„Ich bedauere sehr, dass die kleinen und mittleren Bauernbetriebe nicht mehr erwünscht sind. Natürlich können sie nicht so kostengünstig produzieren wie die Grossbetriebe, aber sie bieten Familien den Kontakt mit Tieren und der Vegetation und ermöglichen Kindern das Aufwachsen in der Natur.“

 

Wenn die Lunge erkrankt

Martin von Grünigen begann im Militär zu rauchen. „Wer in den Pausen keine Zigarette in der Hand hielt, stand blöd da. Da begann ich dann auch mit dem Rauchen. Nach einer Weile fand ich, dass mir die Zigaretten nicht guttun und wechselte auf Zigarren und später zur Tabak­pfeife. Ich versuchte immer wieder meinen Tabak­konsum zu reduzieren, aber es klappte einfach nicht. Als wir beschlossen, unseren in Neuseeland lebenden Sohn zu besuchen und dabei länger im Flugzeug unter­wegs waren, war dies der passende Moment, um mit dem Rauchen aufzuhören. Von da an habe ich nie mehr geraucht.“

 

Im Militärdienst fand einmal im Herbst ein mehr­tägiges Manöver bei andauerndem Regen statt. Martin von Grünigen ver­brachte vier Tage und Nächte im Freien. Er erlitt eine doppelte Lungen­entzündung und musste mehrere Monate im Spital bleiben.

 

„Als ich im Frühling wieder nach Hause durfte, merkte ich beim Mähen, dass ich immer noch nicht fit war. Es wurde festgestellt, dass ich auch eine Gelbsucht hatte und ich war erneut für längere Zeit in Spitalpflege. Während dieser Zeit schaute meine Frau Annemarie zu Familie, Haus und Hof. Das war keine einfache Zeit. Dennoch bin ich sehr froh, dass ich wieder zurück nach Hause konnte. Es ging mir dann auch wieder besser. Aber ich nehme an, dass meine Lunge in dieser Zeit Schaden nahm.“

 

Übergabe und Züglete

Martin von Grünigen betrieb die Land­wirt­schaft in der Region zwischen Schönried und Gstaad. Mit 65 Jahren übergab er den Land­wirt­schafts­be­trieb an zwei seiner Söhne. „Es gibt genug zu tun für zwei Bauern und ihre Familien. Wer eine Land­wirt­schaft betreiben will, muss Freude daran haben und auch bereit sein, seine Freizeit einzusetzen und nie die einzelnen zu Stunden zählen“, fügt er an.

 

Ein Onkel und ein Bruder von Martin von Grünigen haben im Sommer auf der Alp Käse hergestellt. Die Käseherstellung hatte ihn auch immer sehr interessiert, so begann er ebenfalls mit Käse machen. „Ich hatte dann noch das Glück dieses Handwerk fünfzehn Sommer lang machen zu können. Ich ging jeweils sehr gerne im Frühling hoch auf die Alp und im Herbst auch gerne wieder runter. Fünfzig Kühe melken, die Milch und den Käse im Keller pflegen, ist harte Arbeit, auch wenn die Käseherstellung eine schöne Tätigkeit ist. Da hatte ich im Herbst dann jeweils keine überflüssigen Kilos mehr“, betont Martin von Grünigen mit zufriedener Stimme.

 

„Wir waren alle wieder einmal am Berg am Arbeiten. Ich war Mitte sechzig und half mit, die Kühe auf die Alp rauf- und wieder runtertreiben. Da realisierte ich, wie sehr mich das Atmen anstrengte. Ich teilte meinen Söhnen damals mit, dass sie ab der kommenden Saison nun ohne mich auf die Alp gehen dürfen. Bei einer Züglete (die Bauern kehren mit ihren Kühen vom Berg zurück ins Tal) geben jeweils die Tiere die Geschwindigkeit an. Diejenige Person, die vorabläuft, muss laufen und zuhören. Wenn die Kühe schneller gehen, muss man schneller laufen oder dann später wieder langsamer gehen. Heute kann ich bei der Züglete leider nicht mehr mitgehen.“

 

„Als ich meinen Hof übergab, nahm ich mir fest vor, mich zurückzuziehen und den Jungen nicht dreinzureden. Sie können diese Arbeiten nun auch viel besser als ich“, meint er bescheiden. Die Käseherstellung bleibt in der Familie, einer der Söhne hat diese Tätigkeit übernommen und bildet sich gerade auch darin weiter.

 

Drei Söhne sind Bauern, zwei Söhne übernahmen die Landwirtschaft ihres Vaters in Gstaad, ein Sohn ist Bauer in Neuseeland. Die anderen Kinder haben alle auch eine Berufslehre gemacht oder eine höhere Schule besucht.

 

Atmen mit Sauerstoff

„Der Sauerstoff erleichtert mir das Leben. Ich muss nun einfach immer den Sauerstoffbehälter mittragen und mich beim Laufen ein wenig achten, dass ich nirgends mit dem Schlauch hängen bleibe“, meint Martin von Grünigen und zeigt den Umgang mit dem Schlauch. Den Sauerstoff benötigt er täglich, sollte er es einmal vergessen, erinnert ihn seine Frau daran.

Annemarie von Grünigen betont, dass die Krankheit zwar nicht besser werde, ihr Mann aber mit der Sauerstoffunterstützung viel besser aussehe, er habe vorher oft eine blassgraue Gesichtsfarbe gehabt.

 

„Wenn ich unterwegs bin, nehme ich einfach den Rucksack mit. Ich muss mich jeweils auch achten, dass ich nicht aus Gewohnheit bei Atem­schwierig­keiten durch den Mund atme, sondern immer durch die Nase.“

 

Die Beraterin der Lungenliga, eine diplomierte Pflegefachperson, beriet Martin von Grünigen und seine Ehefrau in der Handhabung und im Umgang mit dem Sauerstoffgerät. Sie besucht von Grünigens in regelmässigen Abständen, um den Therapieverlauf und die Funktionsfähigkeit des Gerätes zu überprüfen.

«Ich schaue immer, dass genügend Sauerstoff da ist. Meine Frau unterstützt mich auch dabei. Die Sauerstofflieferanten sind sehr gut organisiert, sie fragen auch immer nach, ob wir wieder Nachschub benötigen.“

 

 

  • Martin von Grünigen, 81 Jahre alt
  • lebt mit seiner Frau Annemarie in Gstaad im Berner Oberland
  • mit sechs Geschwistern aufgewachsen
  • zehn Kinder
  • Krankheit: COPD

 

Glück und Gelassenheit

Zufrieden und gelassen sitzt Martin von Grünigen am Stubentisch und sinniert über sein Leben:

„Ich hatte mein Leben lang einen Schutzengel, es hätte ja so Vieles geschehen können, bei meiner Arbeit hier am Berg und bei der Handhabung der landwirtschaftlichen Maschinen. Wesentlich finde ich, dass man im Leben stets den Humor behält, am Leben noch Freude empfindet, sonst hat es wenig Sinn. Ich bin nun 81 Jahre alt und meine Lunge hat ja lange gut gearbeitet. Ich habe im Leben wirklich Glück gehabt.“

Beratung und Betreuung bei der Lungenliga

Viele Menschen mit einer chro­nis­chen Krankheit der Atemwege oder der Lungen können selbst­ständig und weitgehend beschwer­­de­frei leben. Vorausset­zung ist, dass sie die erfor­der­lichen Therapien korrekt durchführen.

Die Lungenliga bietet Beratung und Betreuung bei Sauerstoff­therapie, Inhalations­therapie und der CPAP-Therapie wie auch bei der Heim­beatmung an.

Mitarbeitende der Lungen­liga betreuen die Be­troffe­nen wäh­rend der gesamten Therapiedauer:

  • Sie analysieren die Bedürf­nisse der Betroffe­nen und beraten sie bei der Auswahl des Geräts und der passenden Zuleitung.
  • Sie vermieten das benötig­te Gerät und passen das Verbrauchs­material den indivi­duel­len Bedürfnissen an.
  • Sie erläutern den Patient­innen und Patienten sowie ihren An­ge­hörigen die Hand­habung und den Um­gang mit dem Gerät.
  • Sie sind auch nach der Ein­gewöh­nungs­zeit für die Betroffe­nen da: Sie nehmen sich der Fragen der Patientin­nen und Patienten und deren Ange­hörigen an und helfen ihnen, die Therapie in den Alltag zu integrieren.
  • Sie überprüfen regelmässig die Funktionsfähigkeit des Geräts.
  • Sie prüfen und ersetzen Zuleitungen und anderes Verbrauchsmaterial.
  • Sie überprüfen den Therapie­verlauf, besprechen ihn mit den Betroffe­nen und berichten der Ärztin oder dem Arzt.
  • Sie beraten bei persönlichen Lebensfragen: Krankheit, Familie, Partnerschaft, Arbeit, Beruf oder Ausbildung.
  • Sie beraten bei Fragen zu Rechts­ansprü­chen gegen­über Sozial­versicherungen.
  • Sie machen Budget­berat­ung und können finan­zielle Leistungen bei ungedeckten krank­heitsbeding­ten Mehr­kosten vermitteln?

 

Mehr Infos unter:

www.lungenliga.ch/de/beratung-betreuung

 

Hier finden Sie die Kontakt­daten der kanton­alen Lungenliga in Ihrer Nähe:

www.lungenliga.ch/kantone

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