Kolumne

Spass, soziale Kontakte, Natur­erlebnisse – Sport bedeutet nicht nur Höchstleistung und Schwitzen

Text: Matthias Remund, Direktor Bundesamt für Sport BASPO
Illustration: Leslie Umezaki

Vor Kurzem erzählte mir eine ältere Frau – so gegen 80 Jahre alt – vergnügt eine kleine Episode. Am Vortag hatte sie ihre Wohnung verlassen, um einkaufen zu gehen. Zu Fuss waren es etwa zwei Kilometer, hin und zurück. Kurz bevor sie zu Hause war, machte die Dame eine Feststellung, die sie auf die Palme brachte: Sie hatte ihren Schrittzähler daheim vergessen! Dieses Gerät am Handgelenk, mit dem sie auch Puls und Distanz messen konnte.

So viel Bewegung, so viele Schritte – verschenkt! Sie regte sich richtig auf. Die Frau musste über sich selber lachen, als sie die Geschichte erzählte. Denn eigentlich wollte sie mir damit nur mitteilen, wie viel Spass es ihr macht, tagtäglich mit dem Gerät am Handgelenk ihre Aktivitäten zu messen, zu vergleichen, manchmal sogar kleine persönliche Rekorde aufzustellen. Sie sei fast ein bisschen süchtig danach.

 

Positive Wirkung auf Körper und Geist

Ich habe es schon oft erlebt, und diese Begegnung zeigte es mir einmal mehr: Wenn man es richtig macht, dann macht es Spass. Was aber bedeutet «richtig» Sport treiben? Welches ist das «richtige» Mass an Bewegung? Die Antwort ist relativ simpel: Es muss zu einem passen, man muss sich wohlfühlen dabei, und das ist dann der Fall, wenn man sich gewissermassen massgeschneidert bewegt.

 

 

Die alte Dame hat offensichtlich ihren Weg gefunden: Sie kombiniert ihren Bedarf an Bewegung und ihr Leistungsvermögen mit einem gewissen Interesse an moderner Messtechnik und der Lust am Vergleich (war ich heute besser als gestern?). Die Folgen sind augenscheinlich: Sie wirkt fit und frisch, ist bester Laune und stolz auf das, was sie tut.

Bewegung und Sport haben unbestritten eine positive Wirkung auf Körper und Geist. Das Beste an dieser Binsenwahrheit: Sie gilt in jedem Alter. Und auch wer ein Gebrechen oder eine Einschränkung anderer Art hat, kann profitieren. Das bemerken immer mehr Menschen. Beobachten Sie nur die wachsende Zahl der Teilnahmen beim Programm Jugend und Sport sowie der aktiven Rentnergruppen.

 

 

Neue Motive erleichtern den Einstieg

Es ist oft nicht einfach, sich mit gesundheitlichen Einschränkungen an eine sportliche Tätigkeit heranzuwagen. Umso mehr als viele Menschen beim Gedanken an Sport nach wie vor in erster Linie an Höchstleistung, Schwitzen, Wettkampf denken.

 

Es gibt aber im Sport eine Entwicklung, die gerade für Menschen mit Beeinträchtigungen wichtig ist: Das Sport- und Bewegungsangebot ist wesentlich vielfältiger geworden. Diese Entwicklung geht einher mit dem Sportverständnis der Menschen: Längst nicht mehr alle setzen Sport mit den klassischen Motiven Leistung und Wettkampf gleich, sondern oft und primär mit Freude, Spass, sozialen Kontakten, Naturerlebnissen. Das Bundesamt für Sport BASPO hat dies in einer Studie im Jahr 2014 belegen können. Das ergibt eine positive Wechselwirkung: Die neuen Motive beeinflussen das Angebot und ermutigen immer mehr Menschen, sich zu bewegen.

 

Dies ist wichtig, denn untrainierte Muskeln weisen eine geringe Sauerstoffaufnahme und -verwertung auf. Bei lungenkranken Patienten, die ohnehin bereits an einer limitierten Sauerstoffaufnahme leiden, bedeutet dies eine starke Einschränkung der Leistungsfähigkeit, die bis zur Invalidität führen kann. Eine der effektivsten Therapieformen ist deswegen die sportliche Aktivität. Sport ersetzt zwar nicht eine sonstige Behandlung. Jedoch verbessert regelmässiges Ausdauertraining nachweislich sowohl beim Asthma wie bei COPD die Lebensqualität, reduziert Atemnot und führt bei COPD sogar zu einem längeren Überleben.

 

Oft vermeiden Lungenkranke aus Angst vor Atemnot körperliche Belastungen. Die Folgen sind eine negative Kettenreaktion. Die zunehmende Immobilität führt unweigerlich zu einer vermehrten körperlichen Schwäche, welche die Muskel-, Atem- und Kreislauffunk­tion weiter limitiert und oft auch depressive Verstimmungen zur Folge hat. Individuelle körperliche Trainingsprogramme helfen den lungenkranken Patienten, diese Abwärtsspirale zu unterbrechen, indem sie die Sauerstoffverwertung und somit die Leistungsfähigkeit steigern. Besonders geeignet für Lungenkranke ist ein regelmässiges Training im Rahmen einer begleiteten pulmonalen Rehabilitation; abgesehen davon eignen sich Ausdauersportarten wie Radfahren – mit oder ohne Stromunterstützung – Wandern und Schwimmen.

 

Vielleicht gehören Sie zu jenen, die für sich das richtige Mass an Sport und Bewegung gefunden haben. Vielleicht haben Sie es vor einiger Zeit aufgegeben oder noch gar nie richtig versucht.

Ihnen kann ich nur den Tipp geben: Versuchen Sie es doch mal wieder; prüfen Sie das reiche Angebot und die vielen neuen Möglichkeiten, die uns auch die Technik bietet. Sie werden etwas finden, das zu Ihnen passt. Und Sie werden es nicht bereuen.

 

Herzlich, Matthias Remund

Direktor Bundesamt für Sport BASPO

 

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