Zur Sache

Luftveränderung:
Eine Auszeit im Wald

Ein Drittel der Schweiz ist mit Wald bedeckt, und viele Menschen halten sich regelmässig im Wald auf. Sie finden, dass sie sich im Wald besser entspannen können und die Luft reiner ist. Der Wald spielt bei der Luftreinigung eine wesentliche Rolle. Er ist nicht nur die Lunge der Schweiz, sondern verschafft dem Menschen noch so manch andere Annehmlichkeit, die ihn schützenswert macht. In diesem Artikel erfahren Sie, warum eine Auszeit im Wald so guttut.

Text: Florian Baccaunaud

Luftfilter Wald

Man hört nicht selten, dass der Wald die grüne Lunge der Erde sei. In einem Land wie der Schweiz, wo ein Drittel der Fläche aus Wald besteht, muss man daher besonders gut durchatmen können. Im Wald spazieren oder Sport treiben ist deshalb so angenehm, weil man das Gefühl hat, dort so richtig gut frische Luft schnappen zu können. Aber welchen Beitrag leisten die Wälder nun genau zur Verbesserung der Luftqualität?

 

Tatsächlich ist der Wald ein regelrechter Luftfilter. «Die Bäume produzieren Sauerstoff und filtern Schadstoffe und Feinstaub, die sich auf ihren Blättern ablagern», erläu­tert Nicole Bauer, Spezialistin für Umweltpsychologie an der Eidgenössischen Forschungsanstalt fürWald, Schnee und Landschaft (WSL).

 

Die Wälder wirken sich auch positiv auf den Kohlendioxidgehalt (CO2) in der Umgebungsluft aus. Bei der Fotosynthese geben die Bäume Sauerstoff in die Atmosphäre ab und binden etwa die Hälfte des von ihnen aufgenommenen Kohlenstoffs, den sie fürs Wachstum benötigen.

 

Der Kohlenstoff bleibt dann für unterschiedliche Zeiträume in der Biomasse und im Boden. In den schweizerischen Waldgebieten sind schätzungsweise fast 150 Millionen Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Das entspricht der Absorption von 550 Millionen Tonnen CO2.

 

Eine Auszeit im Grünen tut gut

Für Entspannung suchende Menschen ist der Wald der wichtigste frei zugängliche Aufenthaltsort in der Natur. Daher hält sich im Sommer fast die Hälfte der Bevölkerung mindestens einmal wöchentlich im Wald auf, im Winter ein bis zwei Mal pro Monat.

 

Abgesehen von der frischen Luft hat der Wald aber noch mehr Annehmlichkeiten zu bieten. Nicole Bauer: «Der Vorzug des Waldes besteht darin, dass er im Gegensatz zum urbanen Umfeld nicht mehrere Reize gleichzeitig auslöst.».

 

Das macht den Wald zum passenden Ort, um Stress abzubauen und an Konzentrationsfähigkeit zu gewinnen. Laut Studien1, beruht die allgemein entspannende Wirkung der Natur auf den Menschen auf fünf Umweltfaktoren:

Faszination, Wegsein, Zusammenhalt, Ausdehnung (der Wald ist grossflächig, er bietet Raum) und dem Gefühl von Kompatibilität.
Weil diese Merkmale im Wald sehr ausgeprägt sind, baut man bei einem Waldspaziergang psychische Ermüdung ab.

 

Den Schutz des Waldes fördern

Der Wald leistet nicht nur einen Beitrag zum Wohlergehen des Menschen, sondern ist auch die wichtigste Rohstoffquelle der Schweiz. Immer mehr Menschen sind sich dieser wesentlichen Rolle des Waldes in vielen Bereichen bewusst und erwerben daher eine Waldparzelle. Sie bewahren den Wald, halten ihn instand und lassen ihn leben.

  1. Kaplan R.; Kaplan, S., 1989: The Experience of Nature. A Psychological Perspective. New York, Cambridge University Press.

Schweizer Wald: Zahlen und Fakten

  • Ein Drittel der Schweiz ist mit Wald bedeckt.
  • Rund 30 % des Schweizer Waldes ist in Privatbesitz.
  • Im Unterschied zu den übrigen Ländern Westeuropas vergrössert sich der Schweizer Wald jedes Jahr um 10 Millionen Kubikmeter.
  • 25 000 Tier- und Pflanzenarten brauchen den Wald zum Leben.
  • In der Schweiz kommen auf einen Bewohner etwa 66 Waldbäume.

 

Gut zu wissen

Biomasse bezeich­net die Ge­sam­heit des in Energie umwandel­baren organi­schen Materials. Unter organischen Sub­stanzen versteht man Material pflanz­lichen wie tierischen Ursprungs.

Fotosynthese ist der Vorgang, bei dem Pflanzen Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen, um anschliessend Sauerstoff abzugeben.

 

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