Beratung

«Will ich ein komfortables Leben, muss ich mir Mühe geben»

Bereits einfache Aktivitäten stellen für COPD-Betroffene einen grossen Aufwand dar. Wie sie trotz ihrer Krankheit zu mehr Energie im Alltag gelangen können, zeigt die Patienten­schulung «Besser leben mit COPD» der Lungenliga.

Text: Regula Grünwald, Fotos: Andreas Zimmermann

«Was ich früher in fünf Minuten gemacht habe, dafür brauche ich heute eine halbe Stunde. Die Spontaneität geht dadurch natürlich verloren.» Vytis Kaestli sagt dies ganz nüchtern, Bedauern ist aus seiner Stimme keines zu hören. Vor vier Jahren hat der 74-Jährige erfahren, dass er an der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit leidet. Rund 400000 Menschen in der Schweiz sind von dieser Krankheit betroffen, welche zu einer Verengung der Atemwege führt und zunehmende Atemnot bei körperlicher Aktivität sowie oftmals auch morgendlichen Husten mit Auswurf zur Folge hat.

 

Seit der Diagnose musste Vytis Kaestli sein Leben anpassen: Regelmässige Bewegung, das Priorisieren seiner Aktivitäten und der Verzicht auf Tabak sind nun ein Muss. «Will ich ein komfortables Leben, muss ich mir Mühe geben – und zwar nicht nur für einige Monate, sondern für den Rest meines Lebens», stellt er fest. Die tiefe Stimme sprüht dabei vor Lebensenergie. Vytis Kaestli ist ein Optimist, einer, der auch aus schwierigen Situationen das Beste zu machen versucht. Deshalb hat er sich im vergangenen Jahr bei der Lungenliga Thurgau für die Patientenschulung «Besser leben mit COPD» angemeldet.

 

 

Planen und bewegen

Die Schulung, welche COPD-Betroffenen in sechs zweistündigen Modulen unter anderem einen besseren Umgang mit der Krankheit vermittelt, hat die Lungenliga 2018 erstmals angeboten. Ein Modul widmet sich der Alltags­planung. «Durch die erhöhte Atemleistung verbrauchen COPD-Betroffene schon für kleine Aktivitäten mehr Energie als gesunde Menschen», erklärt Philipp Hug, Coach der Lungenliga Thurgau.

 

 

Deshalb sei es für Betroffene wichtig, ihren Alltag möglichst energiesparend zu planen und anstrengende Aktivitäten auf diejenigen Tageszeiten zu verlegen, zu denen sie sich am fittesten fühlten. Weiter helfe es, Aktivitäten in mehrere Abschnitte aufzuteilen und jeweils genügend Zeit einzu­berech­nen. Neben der sorgfältigen Planung nennt Hug aber noch ein weiteres Element, welches für eine bessere Alltags­bewältigung essenziell ist und während des Coachings thematisiert wird: Das regelmässige Training. «Die Muskeln aufzubauen und die Muskeln zu erhalten, ist bei COPD-Betroffenen das A und O», erklärt Hug und betont: «Die Betroffenen können viel dazu beitragen, dass ihr Leben trotz Krankheit an Qualität gewinnt.»

 

Wertvolle Tipps

Davon profitierte auch Vytis Kaestli. Er sei bereits vor der Patienten­schu­lung gut über seine Krankheit informiert gewesen und habe täglich Spaziergänge mit seinem Hund unternommen. Dennoch habe er von der Schulung profitieren können. «Ich habe viele wertvolle Tipps erhalten zu Bewegungsübungen, wie ich meinen Tagesablauf besser planen kann und wie ich im Ernstfall reagieren muss. Allen, die wissen möchten, wie man sich mit COPD im Alltag wohler fühlen kann, würde ich diesen Kurs unbedingt weiterempfehlen.»

Werden Sie Ihr eigener Experte: Besser leben mit COPD!

Aufgrund der teilweise stark ein­geschränk­ten körper­lichen Leistungs­fähig­keit ist für viele COPD-Betroff­ene die Alltags­bewälti­gung schwierig. Nationale und inter­nation­ale Studien haben gezeigt, dass die Pa­tient­enschulung bei COPD die Lebens­qualität von Betroff­enen deutlich verbessert. Ebenfalls werden die Anzahl sowie die Dauer der Hospitalisationen signifikant reduziert und die Anzahl der Notfall­aufnahmen und Hausarztbesuche gesenkt.

Die Patienten­schulung «Besser leben mit COPD», welche die Lungenliga gemeinsam mit der Schweiz­erischen Gesell­schaft für Pneumo­logie ausge­arbeitet hat, besteht aus sechs Modulen, in welchen Themen wie Ursachen von COPD, Medi­kamente und Aktionsplan bei einer Ver­schlecht­erung, Atem­techniken, Alltags­planung, körperliche Akti­vität, Ernährung, Schlafen und Reisen behandelt werden. Nach der Gruppen­schulung werden die Betrof­fenen zu­dem während zwölf Monaten telefon­isch weiter­betreut. 2019 wird die Patienten­schulung in den Kanto­nen BE, BL/BS, NE, SG, SO, TG, VD, VS und ZH angeboten.

Interessiert? Melden Sie sich jetzt an unter:

www.lungenliga.ch/­copd­coaching

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